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Umfrage: Zwei Drittel finden Gendersprache nicht wichtig

Köln (KNA) - Immer mehr Deutsche halten gendergerechte Sprache nicht für wichtig. Laut einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag des WDR bezeichneten 41 Prozent die geschlechtersensible Sprache als „gar nicht wichtig“, 21 Prozent als „weniger wichtig“. Die am Montag vom WDR veröffentlichten Ergebnisse der Befragung aus dem September 2022 weichen deutlich von einer Untersuchung aus dem Oktober 2020 ab: Damals hatten nur 30 Prozent der Befragten gendergerechte Sprache als „gar nicht wichtig“ bezeichnet. Ebenso viele bezeichneten sie als „weniger wichtig“.
Bei der neuen Umfrage erklärten lediglich 16 Prozent, ihnen sei diese Form der Sprache „sehr wichtig“, 20 Prozent ist sie demnach „etwas wichtig“. Zwei Jahre zuvor gaben dies jeweils 19 Prozent an.
Bei den Antworten der Befragten aus dem September gibt es kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Aber: Jüngeren Menschen ist das Thema offenbar wichtiger als älteren. Zum Vergleich: 43 Prozent der jüngeren Umfrageteilnehmer (14-29 Jahre) ist das Thema Gendern wichtig, 68 Prozent der Älteren (50-59 Jahre) ist das Thema weniger bis gar nicht wichtig.
Einem großen Anteil - vor allem den Jüngeren - sind geschlechtsneutrale Formulierungen wichtig. Besonders akzeptiert ist die Doppelnennung von männlichen und weiblichen Formen, also zum Beispiel „Kolleginnen und Kollegen“. Sie wird von mehr als der Hälfte genutzt. Auch in der Berichterstattung wird die Doppelnennung von mehr als zwei Dritteln der Befragten akzeptiert.
Bei der Benutzung von Symbolen wie Sternchen oder Doppelpunkt gehen die Meinungen schon weiter auseinander. 35 Prozent finden das gut, 59 Prozent hingegen nicht. Auch die Sprechpause, die sogenannte „Gender-Gap“, vor der weiblichen Endung eines Wortes lehnt die überwiegende Mehrheit der Befragten ab. Gut oder sehr gut finden das 27 Prozent; weniger gut oder gar nicht gut kommt es bei 69 Prozent an.
Aus Sicht von WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn bestätigen die Ergebnisse der Umfrage den bisherigen Umgang des Senders mit dem Thema: „Sprache ist ja etwas ganz Persönliches und wir wollen so sprechen wie unser Publikum. Und wenn wir feststellen, dass diese Sprechlücke abgelehnt wird, dann empfehlen wir auch, darauf zu verzichten.“