Heinrichsblatt

Alle Nachrichten

Nicht Miesepeter, sondern strahlende Gesichter

In Kronach wurde mit Philippe Kardinal Ouédraogo diözesan die Misereor-Fastenaktion eröffnet


Foto: Andreas Kuschbert

Kronach – Erzbischof Dr. Ludwig Schick und Philippe Kardinal Ouédraogo feierten in der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Kronach die diözesane Eröffnung der Misereor Fastenaktion. Die Aktion steht unter dem Motto „Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen“. Beispielland der Aktion ist heuer das Heimatland des Kardinals Burkina Faso.
Vor dem Gottesdienst stellte in einem kleinen Film, der auf einer Leinwand über dem Altar gezeigt wurde, ein Mädchen ihre Heimat Burkina Faso vor. Hauptwirtschaftszweig dort ist die Landwirtschaft – sowohl der Ackerbau als auch die Viehwirtschaft. Das Mädchen berichtete, dass Misereor nahe ihres Dorfes eine Mini-Molkerei gebaut hat, damit die Mich dort zu Joghurt und Käse weiterverarbeitet werden kann. Durch einen langen Transport der Milch in die entfernte Stadt wurde sie früher oft schlecht.
In seiner Festpredigt bezeichnete Schick es als ein „Geschenk“, dass der Kardinal hier in Kronach mitfeiere. Dessen Land sei – wie alle Länder Afrikas – ein wunderschönes Land mit sehr vielen Möglichkeiten zu arbeiten, zu feiern und sich zu freuen. Leider sei es aber ein bitterarmes Land. „Nicht deshalb, weil es keine Möglichkeit zum Reichtum hätte, sondern weil die Güter nicht im Land genutzt, sondern nach außen transportiert oder gar nicht ausgeschöpft werden. Das kann sich ändern, das muss sich ändern und wir können unseren Beitrag dazu leisten.“ Die Misereor-Fastenaktion wolle dazu ihren Beitrag leisten.
Der Erzbischof bezog sich auch auf die Tageslesungen und das Tagesevangelium (Gen.12,1-4a; 2 Tim 1,8b-c und Mt 17,1-9). Die erste Lesung aus dem Buch Genesis zum Beispiel trage uns auf „ein Segen sollst du sein... durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.“ Das habe nicht irgendjemand gesagt, sondern der große und gute Gott, der die Geschichte der Menschen voranbringe und zur Vollendung führen werde. Dabei wolle er unser freiwilliges Mitwirken als freie Menschen, ohne dass er sich durch Verweigerer das Heft aus der Hand nehmen lasse. Diese könnten zwar stören, aber nicht zerstören. Man solle in die afrikanischen Staaten weniger Waffen exportieren, sondern Güter, die den Menschen dort helfen.
Immer wenn Menschen sich für den Segen Gottes entscheiden und sich zum Segen von Gott für ihre Mitmenschen machen lassen, geschehe Fortschritt im Guten, in Gerechtigkeit, Friede und Freude für alle. „Das Evangelium sagt uns: dort, wo Jesus ist und erkannt wird, wo man auf seine Simme hört, da geht ein Licht auf, da strahlt die Sonne, die Menschen bekommen leuchtende Gesichter.“ Diese Gesichter würden aus der Freude über Jesus Christus leuchten.
„Wenn wir uns einsetzten für Gerechtigkeit und Frieden, dafür, dass alle Menschen gut leben können, Wohl und Heil erfahren, dann wird aus diesem Einsatz nicht Last, sondern Lust. Indem wir uns einsetzen, dass der Segen Gottes überall hinkommt, dass sich überall das Licht Christi verbreitet, spüren wir selbst den Segen und bekommen strahlende Gesichter“, betonte Schick. Nicht die Miesepeter brächten die Welt weiter. Wenn wir auf Jesus hören und tun, was er sagt, dann seien wir auf der richtigen Seite. „Gönnen wir uns die Freude an guten Ideen, die wir für andere Menschen zu deren Wohl und Heil einsetzen.“
Wenn man sich für Misereor, das Hilfswerk der deutschen Katholiken, einsetze, dann werde man zum Segen und spüre den Segen Gottes. Dann bewirke man, das überall Licht eines guten, zufriedenen Lebens hinkomme, schloss der Erzbischof seine Predigt.
Zusammen mit sieben Priestern und einem Diakon zelebrierten Schick und der Kardinal den Gottesdienst. Bei der Gabenbereitung brachten die Kronacher Ministranten auch Kartoffeln und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse in einem Korb zum Altar. Musikalisch umrahmten den Gottesdienst die 27-köpfige Gruppe „Spirit Voices“ aus Glosberg und Organist Rainer Endres an der Orgel. Die Schlussrede des Kardinals im Gottesdienst übersetzte Stefanie Götzmann aus dem Französischen.
Ouédraogo berichtete, dass sein Burkina Faso 19 Millionen Einwohner habe, von denen 80 Prozent von der Landwirtschaft leben. Das Bruttoinlandsprodukt betrage nur 700 US-Dollar pro Person im Jahr. Viele Probleme habe das Land – zum Beispiel mit der Demokratie und den Menschenrechten. Aber die Menschen dort gäben nicht auf. Er dankte auch der Caritas, die alle Menschen in Burkina Faso unterstütze. Misereor unterstütze zwei NGO (Non Government Organisation). Er dankte Misereor für die Leistungen, die gespendet wurden und noch gespendet werden. Er dankte auch im Namen aller afrikanischer Staaten dafür.
Danach lud Regionaldekan und „Hausherr“ Thomas Teuchgräber zum Fastenessen und Informations-Talk ins Pfarrheim ein.
Unter der Moderation von Uli Noll von Radio Eins Coburg diskutierten dort Schick und Ouédraogo über Misereor und Burkina Faso. Zuerst bedankte sich der Kardinal für die Freundschaft, die ihm hier entgegenkomme. Er komme aus der Savanne hier her und staune, dass alle Strom und fließend warmes Wasser haben. In dem Dorf, aus dem er kommen, esse man hauptsächlich Hirse. Der Unterschied von Reichtum hier in Deutschland und der Armut dort sei groß. „Wenn bei uns mehr Bildung und mehr Essen vorhanden wäre, so wäre das sehr gut“, betonte er.
Der Erzbischof sagte, Afrika sei ein schöner Kontinent mit weltweit den meisten Bodenschätzen. Durch Ausbeutung und Protektionismus sei er aber arm. Wir würden unseren Wohlstand hier erhalten, indem wir diese Länder rücksichtslos ausbeuten. Da müssten wir uns ändern. Eine Art Marshallplan für Afrika, wie er schon vorgeschlagen wurde, sei zukunftsweisend. Er bedeute Hilfe zur Selbsthife. Den Afrikanern würde dabei nicht von außen vorgeschrieben, was sie tun müssen. Der Kontinent müsse sich von innen heraus entwickeln. Damals hätten die USA für Europa rund fünf Prozent ihres Haushalts eingesetzt – wir leisteten zur Zeit gerade mal 0,4 Prozent Entwicklungshilfe! Faire Handelsbeziehungen und faire Preise sollten wir Afrika bieten.
Der Kardinal bedauerte die Korruption und den Protektionismus. Er lobte Misereor, das zum Beispiel die Viehzüchter unterstütze, sich zu organisieren, um ihre Milchproduktion zu steigern. Er prangerte – wie auch Schick – an, dass billiges Milchpulver aus Europa die örtliche Landwirtschaft schwer belaste.
Zum Schluss überreichten „Spirit Voices“, die auch im Pfarrheim musikalisch unterhielten, dem Kardinal einen Spendenscheck über 555,55 Euro.

Autor: Andreas Kirchhof


Zurück

Aktuelle Downloads

Pfarrbriefvorlagen zum Herunterladen

Anzeigen

Märkteverzeichnis zum Herunterladen

Anzeigen

Begegnung mit Erzbischof Ludwig

28.04Eröffnung der Woche für das Leben
29.04Einweihung des Pfarrhauses
30.04Eucharistiefeier mit Altarweihe

Alle Termine anzeigen

Patenschafts-Abonnement

Unterstützen Sie mit einer Abonnement-Patenschaft bedürftige Mitmenschen...

mehr erfahren

Heinrichsblatt-Probeabonnement