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Revelatio – Das Heben des Schleiers

Werke von Manfred Scharpf stehen im Mittelpunkt einer neuen Sonderausstellung des Diözesanmuseums


Foto: Andreas Kuschbert

Bamberg – Es sind die Themen unserer Zeit, die Manfred Scharpf in einer ganz eigenen Weise künstlerisch in seinen Werken verarbeitet. Verstörungen, Sehnsüchte und Hoffnungen, die bewegen oder lähmen – all das wird bildgewaltig dargestellt und regt zum Nachdenken, aber auch zur Diskussion an. Im Bamberger Diözesanmuseum sind nun seit vergangener Woche und noch bis zum 14. Mai über 30 zum Teil mehrteilige Werke des Allgäuer Künstlers in einer Sonderausstellung unter dem Titel „Revelatio – Das Heben des Schleiers“ zu sehen.
„Wir waren Feuer und Flamme, als wir uns die Werke angeschaut haben“, konstatiert der Leiter des Diözesanmuseums, Dr. Holger Kempkens, bei einem Rundgang durch die Ausstellung, in der zentrale Werke von Manfred Scharpf aus den vergangenen 20 Jahren ausgestellt sind. „In dieser Zusammenstellung sind sie so das erste Mal zu sehen und wir freuen uns, den Raum dafür bieten zu können.“
Seine Gemälde und Werke sollen Geschichten erzählen, durch den Versuch, alte biblische Themen in die Jetzt-Zeit zu übertragen, sollen nach Scharpfs Worten auch Menschen angesprochen werden, die der Kirche nicht unbedingt nahe stehen. Bestes Beispiel dafür ist das monumentale Werk „Beatrice – Weg aus dem Dunkel“, auch „Neuer Wurzacher Altar“ genannt.
Der äußere Aufbau übernimmt Maße und Proportionen des „Wurzacher Altars“ von Hans Multscher von 1437, eines spätmittelalterlichen Meisterwerks der Sakralkunst. Lediglich acht Tafeln der Flügelgemälde sind davon erhalten geblieben. Das genaue theologische Programm dieses historischen Werkes ist ungeklärt. Genau aus dieser Lücke entstand für Manfred Scharpf die Freiheit, sich thematisch vom Multscher-Altar anregen zu lassen, um Kunst für unsere Zeit zu schaffen.
In der Neuschöpfung des Künstlers – entstanden innerhalb von 15 Monaten – spielt Dantes „Göttliche Komödie“ eine hintergründige, aber doch wichtige Rolle. So wird aus der Jungfrau Maria die Beatrice, in deren Armen am Ende – an die Darstellung der Pieta angelehnt – der gekreuzigte Sohn liegt.
In seinen ausdrucksvollen Motiven „verarbeitet“ Scharpf die Begegnung mit reellen Menschen, die er kennengelernt hat. So führt der Allgäuer mit den künstlerischen Mitteln der Vergangenheit höchst aktuell unser Zeitalter vor Augen, zeigt die Wesenszüge auf, die für unsere Ära bestimmend sind.
Seine Tafelgemälde zeichnen sich dabei durch eine altmeisterliche, feinmalerische Raffinesse aus, die in bewusster Weise konstatiert mit den inhaltlichen Darstellungen. Seine Bilder, die sich gegen die entwürdigenden Absurditäten unserer Zeit richten, sieht Manfred Scharpf als eine Art „Qualitätssicherung des Menschlichen“.
Neben Dante bildet auch der Dichterfürst Goethe einen literarischen Hintergrund für die aktuellen Arbeiten, in der Sonderausstellung zu sehen unter anderem in Darstellung mit Titeln wie „Die Zauberer“, „Euphorion“ oder auch Arsenal“.
Ganz schlicht nach außen, doch verbunden mit einer starken Botschaft, präsentiert sich das Werk „Kaisers Passion“ aus dem Jahre 2005. Dieser Bilderzyklus nimmt Bezug auf zwei abgestürzte Flieger, die laut Scharpf für alle anderen Opfer unserer Tage stehen. Es handelt sich dabei um die deutschen Piloten Dieter Kaiser und Paul Mazal, die 1944 beziehungsweise 1955 abgestürzt sind.
Von den Abstürzen dieser beiden Flieger stammen die Flugzeugfragmente, die in mehreren Bildern verarbeitet wurden, unter anderem in „Ikonostase, die neuen Göttinnen.“   

INFO
Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, ebenso am Ostermontag.
Weitere Informationen im Internet unter www.dioezesanmuseum-­bamberg.de

Autor: Andreas Kuschbert


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