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Ein Vorbild für uns heutige Christen

Vor 75 Jahren wurde Pater Franz Reinisch in Berlin enthauptet


Foto: Andreas Kuschbert

Bamberg – Für Regionaldekan Martin Emge ist es die Konsequenz von Pater Franz Reinisch, die ihn fasziniert. Der aus Tirol stammende Priester Reinisch beobachtete mit großem Argwohn die Machenschaften der Nationalsozialisten und entschloss sich schließlich, den Wehrdienst und den Fahneneid auf den „Führer“ zu verweigern. „Er war eine provozierende, kantige Gestalt, die ihr Fähnchen nicht in den Wind hängte und sich nicht auf Schmusekurs begab“, charaktierisiert Emge Pater Reinisch, der sein Verhalten mit dem Tod bezahlte. Am 21. August jährt sich zu 75. Mal der Jahrestag der Enthauptung von Franz Reinisch in Berlin.
Im Gespräch mit dem Heinrichsblatt macht der Forchheimer Regionaldekan deutlich, dass Pater Franz Reinisch, der 1928 im Innsbrucker Dom zum Priester geweiht wurde, auch für die heutigen Menschen ein Vorbild sei, „gerade wenn uns als Kirche der Wind ins Gesicht bläst. Als Christen machen wir unsere Meinung oftmals nicht mehr so öffentlich aus Angst, schief angeschaut zu werden. Dabei brauchen wir heute den Typ Mensch, der eine eigene Meinung hat und sie auch bezeugt“.
So wie einst bei Pater Reinisch, so ist nach Ansicht von Martin Emge heute christliches Profil gefragt, „wir dürfen uns nicht immer wegducken und die Augen aus Angst vor der Wirklichkeit verschließen“. Dies gelte auch für ihn als Pfarrer und Regionaldekan und seine Kollegen. „Zusammen mit der Diözesanleitung müssen wir den Mut haben, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen“, sagt Emge mit Blick auf die bevorstehenden Umstrukturierungen im Erzbistum Bamberg. „Wir dürfen keine leeren Versprechungen abgeben. Zur Wahrhaftigkeit gehört, reinen Wein einzuschenken.“
Dieses Ringen mit der Wahrheit und deren Festmachen in Christus war auch für Pater Franz Reinisch Zeit seines Lebens ein wesentliches Element seines Handelns. Mit 22 Jahren war er ins Priesterseminar Brixen eingetreten und kam zum ersten Mal in Kontakt mit den Pallottiner-Patern. Am 3. November 1928 trat Franz Reinisch in das Pallottiner-Kloster Untermerzbach ein und war dort mit Unterbrechungen fünf Jahre als Novize tätig. Nach mehreren Versetzungen kam Pater Reinisch schließlich nach Schönstatt und wurde dort mit der Missionsarbeit und der Männerseelsorge beauftragt.
In all den Jahren führte ihn sein Weg immer wieder nach Bamberg; hier hielt er am 7. Mai 1942 in der Amtsstube des Pfarrhauses von St. Gangolf seine letzte heilige Messe in Freiheit.
Nach der Ablehnug des Fahneneids („Ich kann als Christ und Österreicher einem Mann wie Hitler niemals den Eid der Treue leisten“) wurde Reinisch verhaftet und vor das Kriegsgericht gestellt. Am Morgen des 21. August 1942 wurde er schließlich enthauptet. Pater Reinisch war der einzige katholische Priester, der den Fahneneid verweigerte und hingerichtet wurde. Seine Urne ist heute neben dem Urheiligtum in Schönstatt begraben. Im Mai 2013 wurde in Trier der Prozess zur Seligsprechung von Franz Reinisch eröffnet.
Film und Musical
Das Leben von Franz Reinisch wurde jetzt auch in dem Dokumentarfilm „Pater Franz Reinisch“ verewigt, der Wege und Stationen des Geistlichen an Originalschauplätzen nachgeht. Die Dreharbeiten für den Film führten die „Reinisch-Reisenden“ an verschiedene Orte in Deutschland, Österreich und Italien.
Martin Emge als Präses der Schönstattfamilie im Erzbistum Bamberg und Reinisch-Experte begleitete das Filmteam während der Aufnahmen und ist begeistert vom Film der als DVD im „Franz Reinisch Forum“ der Pallottiner an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar bestellt werden kann (weitere Infos dazu gibt es unter www.franz-reinisch.org).
„Gefährliche Fracht: Franz Reinisch“ – so lautet der Arbeitstitel eines Musicals über den Pallottinerpater, das im Juni nächsten Jahres am Englischen Institut in Bamberg uraufgeführt werden soll.
Der Liedermacher Wilfried Röhrig, der früher in der Schön­stattjugend aktiv war und dabei auch viel über Pater Reinisch erfuhr, hat für das Musical 22 Lieder getextet und komponiert. Eindringliche Texte, wie Martin Emge weiß, Texte die die Menschen inspirieren sollen – so wie einst Franz Reinisch – gegen den Strom zu schwimmen, raus aus dem Einheitsschritt zu gehen und treu zu ihrer Überzeugung zu stehen.
Reinisch-Weg
Wer sich intensiver mit Franz Reinisch und seinem Leben befassen will, dem sei der Reinisch-Weg durch Bamberg ans Herz gelegt. Mindestens 30 Mal war Reinisch in Bamberg, war mit der Stadt und den Menschen aufs engste verbunden. Die Schönstattfamilie hat 2013 einen Reinisch-Weg durch Bamberg errichtet, auf dem an zehn Stationen an den Pallottiner-Pater und Männerseelsorger der Schönstatt-Bewegung erinnert werden soll.
Das nächste Mal wird der Reinisch-Weg am 16. September gegangen. Start ist um 10 Uhr an der Pfarrkirche St. Gangolf.

Autor: Andreas Kuschbert


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