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„Selber handeln, statt Druck von oben abwarten“

St. Marien und St. Konrad fusionierten in Hof zur Pfarrei Bernhard Lichtenberg


Foto: Im neuen Pfarrzentrum erinnert ein großes Bild und in St. Marien eine Statue an den Namensgeber der fusionierten Pfarrei Bernhard Lichtenberg. Foto: Wiedow/aki

In Hof gab es heuer die erste Pfarreienfusion in der Erzdiözese Bamberg – und sie läuft erfolgreich. Einige Jahre wurde daraufhin gearbeitet, die Pfarreien St. Marien und St. Konrad zu einer Pfarrei zusammenzulegen. Das Heinrichsblatt sprach mit dem Pfarrer der neuen „Pfarrei Bernhard Lichtenberg“, Hans-Jürgen Wiedow. Es begann damit, dass 2010 die beiden Priester Holger Fiedler und Hans-Jürgen Wiedow als neue Pfarrer der beiden Pfarreien St. Marien und St. Konrad nach Hof kamen. Da konnte dann eine Zusammenarbeit „angedacht“ werden. Zuvor war St. Konrad die Jesuitenkirche gewesen. Am 1. Juli diesen Jahres war es dann soweit: die Pfarreien und Kirchenstiftungen wurden zusammengelegt. Wiedow wurde Pfarrer der Pfarrei und Fielder, der Hofer Dekan ist, Pfarrvikar. Als die beiden nach Hof kamen, bekamen St. Marien und St. Konrad einen Seelsorgebereich – also „nichts Neues“, wie Wiedow berichtet. Dann entwickelte sich eine große und gute Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchengemeinden. Ein Zusammenlegen war noch nicht abzusehen. Man sei nach der Methode „Wir leben das erst mal und überlegen dann eine Fusion“ vorgegangen. Jetzt habe sich daher nicht allzuviel geändert, da ja schon eine große Zusammenarbeit vorhanden ist. Jetzt gibt es in der einen Pfarrei natürlich einen Pfarrgemeinderat und ein pastorales Team, das zum Beispiel gemeinsam die Kommunion- und Firmvorbereitung leitet. Aus den sechs Kirchenverwaltungen seien am 1. Juli eine geworden. Das Pfarrbüro soll hauptsächlich nach St. Konrad kommen. Das neu gebaute Pfarrzentrum Bernhard Lichtenberg, das am 5. Februar diesen Jahres von Erzbischof Dr. Ludwig Schick „eingeweiht“ wurde, soll das neu Verwaltungszentrum der Pfarrei werden. Das Pfarrzentrum St. Marien an der Bachstraße habe man verkauft. St. Marien soll das liturgisch-spirituelle Zentrum der Pfarrei Bernhard Lichtenberg sein. Einzelne Gemeindeausschüsse vor Ort kümmern sich aber um die Belange, die besser „aus der Nähe“ zu regeln sind – wie zum Beispiel Gemeindefeste. Geschäftsführerin der Stiftung Gesamtkirchengemeinde, die die Trägerschaft aller sieben Kindertagesstätten übernommen hat, ist Cornelia Sonntag. Sie soll auch teilweise die Verwaltung der großen Pfarrei übernehmen. Bei den immer größer werdenden Pfarreien–Zusammenlegungen und der immer größer werdenden Pfarreienzahl, die ein Pfarrer mittlerweile wegen des Priestermangels zu betreuen hat, sei es nur sinnvoll, wenn Verwaltungsaufgaben von nicht geweihtem Personal übernommen werden, erklärte Wiedow. Auch die Kolpingfamilie vor Ort sei nun die der gesamten neuen Pfarrei. Bei den beiden Frauenbünden sei geplant, sich zu einem Frauenbund Lichtenberg zusammen zu tun. Die beiden Pfarrbüros würden erhalten bleiben. Im Pfarrhaus St. Marien sei ein Gemeinderaum für die Caritas und andere Nutzer eingerichtet. Die Einwohnerzahl von Hof habe abgenommen und auch die Zahl der Katholiken dort. St. Marien hatte vor der Fusion rund 6200 Katholiken und St. Konrad 5500 betreut. So umfasst nun die Pfarrei Bernhard Lichtenberg rund 11000 Katholiken. Bei der abnehmenden Zahl der Gläubigen und der Priester könne man nicht so vorgehen, „als wäre nichts und daher nichts tun“, erklärte Wiedow und betonte: „Günstiger ist es, selber zu schauen, was sinnvoll ist, als auf den Druck von oben zu warten. Wenn man rechtzeitig selbst aktiv wird, gerät man auch nicht in Zeitdruck.“ Man wollte enger zusammenrücken, bevor andere kommen und das anordnen. Diese Vorgehensweise bringe auch viel Positives für die Gemeindearbeit, da nicht überstürzt gehandelt werden muss. Durch die Fusion sei die Zusammenarbeit gestärkt worden und es biete sich die Chance für neue Ideen und eine gute Zukunft. Man habe für die Pfarrei den Namen Bernhard Lichtenberg nicht nur gewählt, weil er hier in Hof starb. Dessen pastorales Konzept habe uns heute noch viel zu sagen. Lichtenberg habe damals viel in Berlin aufgebaut und viele Gruppen gegründet. Er habe in schwierigen Zeiten seine Meinung vertreten sowie für die Kirche und den Glauben vor und in der NS-Zeit gekämpft – auch politisch. Bernhard Lichtenberg wurde am 3. Dezember 1875 im schlesischen Ohlau (heute Olawa) geboren und am 21. Juni 1899 in Breslau zum Priester geweiht. 1912 wurde er Pfarrer der Herz-Jesu-Kirche in Berlin-Charlottenburg. Zum Mitglied der Stadtverordnetenversammlung der Stadtgemeinde Berlin-Charlottenburg wurde er als Vertreter des Zentrums 1919 gewählt und blieb dort bis 1931. In diesem Jahr wurde er zum Domkapitular der St. Hedwigs-Kathedrale in der Hauptstadt ernannt. In der NS-Zeit wandte er sich wiederholt gegen die NS-Ideologie – besonders bei der sogenannten „Euthanasie“-Aktion, dem staatlich angeordnetem Töten von Behinderten. In vielen Predigten und Protestschreiben wandte er sich gegen das NS-Regime. 1938 wurde er von Papst Pius XI. zum Domprobst ernannt. Am 23. Oktober 1941 wurde er verhaftet und in das Strafgefängnis Plötzensee eingesperrt. Dann wurde er in das Gefängnis Moabit verlegt und erlitt dort am 3. November 1941 eine schwere Herzattacke. Am 22. Mai 1942 wurde Lichtenberg durch das Sondergericht I beim Landgericht Berlin wegen „Kanzelmissbrauchs“ und Verstoßes gegen das Heimtückegesetz zu zwei Jahren Haft verurteilt. Im Oktober wurde er in das Arbeitserziehungslager Wuhlheide eingeliefert und sollte dann in das Konzentrationslager Dachau transportiert werden. Bei einem Aufenthalt des Transportes in Hof stirbt Lichtenberg am 5. November um 18 Uhr in Hof. Am 23. Juni 1996 wurde Lichtenberg durch Papst Johannes Paul II selig gesprochen.

Autor: Andreas Kirchhof


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