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„Gemeinde ist eine Welt, in der man lebt“

Ottotag der Priester und Diakone im Erzbistum Bamberg / Vortrag von Professor Hans-Georg Gradl


Foto: Christoph Gahlau

Bamberg – Strukturreform, größere pastorale Räume und die Frage: Wie sieht die Kirche im Erzbistum Bamberg in zehn oder 20 Jahren aus? Auf vielen Ebenen wird dieses Thema momentan intensiv diskutiert.
Und auch der diesjährige ­Ottotag der Priester und Diakone im Erzbistum Bamberg hat sich damit befasst. Allerdings von einem ganz anderen Blickwinkel: „Neutestamentliche Wegweiser: Gedanken zum diakonischen und priesterlichen Dienst heute“, lautete der Titel des Vortrags von Hans-Georg Gradl, Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Universität Trier. Dabei erinnerte der 44-Jährige zunächst an das Profil und Selbstverständnis des diakonischen und priesterlichen Dienstes. „Gottes Mitarbeiter sind wir, aber es ist sein Acker.“ Mit Bezug auf den 1. Korintherbrief sagte Gradl: „Paulus versteht sich als Dienstbote, nicht als Erntebauer.“ Die Jünger Jesu, so Gradl weiter, wurden nicht irgendwann zu einem Meister. „Die Jünger bleiben Lehrlinge auf Lebenszeit.“ Und so verstanden sei die Priester- oder Diakonenweihe auch kein Abschluss, sondern eher ein Aufbruch. Gradl beschreibt dies mit einem Bild. Das Schiff sei eben nicht für die festliche Ausfahrt aus dem Hafen gemacht, sondern für die Fahrt auf hoher See.
Und so ermutigte der Trierer Professor die rund 120 Teilnehmer die drei Grundsäulen ihres Dienstes, die Liturgie, die Verkündigung und die Nächstenliebe nicht nebeneinander zu sehen, sondern miteinander verbunden. „Eucharistie und Diakonie, das Herrenmahl und das soziale Leben der Gemeinde bilden eine untrennbare und tiefe Einheit.“
Attraktivitätsfaktoren
Bereits in den ersten Jahrhunderten des Christentums seien die Christen als eine selbstbewusste Gruppe wahrgenommen worden, die für andere attraktiv sei. Dies sei beispielsweise die Fürsorge für die Armen in der Gemeinde, das wertschätzende Menschenbild, die Sorge um die Sterbenden und das Gebet für die Toten. Aber auch die Begeisterung für Jesu Botschaft und die damit verbundene persönliche Bindung. Gradl riet dazu bei diesen „Hauptstraßen“ eher zu investieren, statt zu reduzieren.
Der aus Eschenbach in der Oberpfalz stammende Professor erinnerte zudem an Paulus, der Gemeinden an Orten mit einer guten Infrastruktur gegründet hatte. Diese Gemeinden sollten wachsen und zu neuen Keimzellen für neue Gemeinden werden. Allerdings, der Beginn des Christentums sei kleinzellig und bodenverhaftet gewesen. Die Christen hätten sich in Hauskirchen getroffen. Notgedrungen würden nun hektargroße Räume geschaffen. Die frühen Christen würden uns wohl sagen: „Ihr braucht Zimmer.“ Gemeinde, so Gradl, sei kein Service, den man sich irgendwo abhole. „Gemeinde ist eine Welt, in der man lebt.“
Verantwortung für die Laien
Erzbischof Ludwig Schick hat in seiner Predigt zum Ottotag die Priester ermuntert, mehr Aufgaben an Laien abzugeben. „Wir müssen viel mehr auf mehr Schultern verteilen“, sagte Schick. „Wir müssen nicht alles machen. Wir haben Gott sei Dank gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst, aber auch in der Verwaltung“, fügte Schick hinzu. „Wir haben viele gute Laien, die mitwirken können und mitwirken wollen und denen die Kirche mit ihren Zielen genauso am Herzen liegt wie uns.“
Es sei wichtig, dass immer um die Aufgaben des geistlichen Dienstes und der priesterlichen Wirksamkeit gerungen werde.
Der Erzbischof appellierte an die Kleriker: „Erneuern wir uns in unserem Auftrag. Besinnen wir uns auf unsere Berufung.“ Die Priester sollten „nicht eng werden“. Es sei reizvoll, „in all den vielen Dingen mitzuwirken und immer das Ziel vor Augen zu haben, dass die Kirche funktionsfähig bleibt.

Autor: Christoph Gahlau


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