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Simbabwe – ein Land im Umbruch

Jesuiten-Pater Konrad Landsberg lebt seit über 40 Jahren im südlichen Afrika


Foto: Die wirtschaftliche Lage für viele Menschen in Simbabwe ist schwierig. Die katholische Kirche bemüht sich um die Versorgung der Menschen. Fotos: Jesuitenmission

Es sind Stunden der Entscheidung. Während in Simbabwe ein heftiger Machtkampf um die Präsidentschaft tobt, sitzt Pater Konrad Landsberg SJ in der Nürnberger Jesuitenmission und beobachtet die Entwicklung aus knapp 8000 Kilometer Entfernung. Der 78-Jährige lebt bereits seit 1973 in dem afrikanischen Land. 1980 hatte der nun geschasste Präsident Robert Mugabe die Macht in Simbabwe übernommen. Das einstige Rhodesien hatte sich von Großbritannien unabhängig erklärt. Und er hofft ausdrücklich, dass der Machtwechsel ohne Blutvergießen vonstatten geht. Nach Landsbergs Schätzungen bekennen sich rund 15 Prozent der etwa 15 Millionen Einwohner zum katholischen Glauben. Als er vor 44 Jahren nach Simbabwe gekommen sei, habe es 120 Jesuiten gegeben. Davon seien 110 Europäer und etwa zehn Afrikaner gewesen. Inzwischen, so Landsberg, sei es umgekehrt. Die Zeit in Simbabwe hat ihn geprägt. Man merkt dies an Kleinigkeiten. Hin und wieder sucht der 78-Jährige ein deutsches Wort und es fällt ihm nur die englische Vokabel ein. „Der Anfang von Mugabe war vielversprechend“, erinnert sich Landsberg. Mugabe habe nach einem mehrjährigen Bürgerkrieg zu Frieden und Versöhnung aufgerufen. Und er habe in die Bildung investiert, die Zahl der Oberschulen etwa verzwanzigfacht. Eine wirtschaftliche Talfahrt Etwa seit Mitte der 1990er-Jahre sei es wirtschaftlich bergab gegangen. Die Inflation galoppierte. Landsberg spricht von einer Inflation von zwei Millionen Prozent. Geldscheine mit einem Wert von 500 Millionen Simbabwe-Dollars seien gedruckt worden. Bis 2012 stieg die Arbeitslosigkeit in dem Land auf bis zu 90 Prozent. „Viele Familien versuchten sich über Wasser zu halten, indem sie beispielsweise Tomaten im großen Supermarkt kaufen und dann gegen einen geringen Aufschlag vor ihrer Haustüre weiterverkaufen“, erinnert sich Landsberg. Aus europäischer Sicht sei es schon verwunderlich, dass sich Mugabe so lange an der Macht habe halten können. Allerdings stünde bei einem solchen Staatschef nicht zuerst die Interessen die Landes, sondern die der Familie im Vordergrund. Vetternwirtschaft und Korruption seien an der Tagesordnung. Landsberg erinnert sich an den Besuch einer Missionsstation, die kurz vorher Mugabe besucht hatte. „Die Straße war in bestem Zustand.“ Wo Mugabe nicht sei, „da sind Sie schneller zu Fuß unterwegs“. Und natürlich spielten auch Gewalt und die Geheimpolizei eine nicht unerhebliche Rolle bei der Machterhaltung Mugabes. Innerhalb der katholischen Kirche werde viel Wert auf die Sozialarbeit gelegt, berichtet Landsberg. „Alle Diözesen, Pfarreien und Orden sind da tätig.“ So förderte die Kirche die Bildung, indem sie das Schulgeld zahlten. Sie leisteten Hilfe für Kranke und versuchten Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Und fast jede Pfarrei hat auch ein Waisenhaus. Die Eltern dieser Kinder sind meist an AIDS gestorben. Zurückhaltung ist angesagt Allerdings, so Landsberg, habe es eine Art stillen Deal zwischen Kirche und der Politik gegeben. Die Kirche habe sich nicht in das politische Tagesgeschäft eingemischt, dafür hätte die Politik die Kirche ungehindert ihre Arbeit machen lassen. Überhaupt spricht Landsberg viel über die Jugend. „Was ist unsere Vision für Menschlichkeit?“, das sei die zentrale Frage. Der Pater räumt ein, dass viele nach der Schule zum Studieren ins Ausland gingen. „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff – ist das ein Ideal?“ Manch einer aber bleibe bewusst in Simbabwe, um dem Land zu dienen. Wenige Tage nach diesem Pressegespräch kehrt Pater Konrad Landsberg nach Simbabwe zurück. Der Jesuit wird also in ein Land kommen, in dem viele Menschen darauf setzten, dass das politische System stabil bleibt – dass es weitergeht „auf dem selben Weg mit spürbaren Verbesserungen und mehr Gerechtigkeit“, wie er sagt. 

Autor: Christoph Gahlau


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