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Erzbistum

Ein Bild, das ohne Worte funktioniert

Der „Engel der Kulturen“ hat in Coburg eine bleibende Heimat gefunden


Foto: Andreas Kuschbert

Coburg - Bereits seit 2007 rollt der Engel der Kulturen – ein interreligiöses Projekt des Künstlerpaares  Carmen Dietrich und Gregor Merten – durch die Lande. Im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 (Ruhrgebiet, Pecs, Istanbul)  führte der Weg des Rad Engels als Abraham-Karawane auch über den Balkan bis an den Bosporus. Jetzt wurde ein weiterer Engel, der 60. insgesamt, verlegt. In Coburg hat der „Engel der Kulturen“ eine neue Heimat gefunden.
Der „Engel der Kulturen“ steht als klares Statement gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Islamophobie, Fundamentalismus und die damit einhergehende Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen.
Zunächst als Stahlring durch die Straßen Coburgs von der Morizkirche zur Nikolauskapelle und der Moschee zum Albertsplatz gerollt, wo er schließlich als dauerhafte Bodenintarsie seinen dauerhaften Platz fand. Damit gehört Coburg zu den 60 Städten, die ebenfalls einen „Engel der Kulturen“ beherbergen. „Ein Bild, das ohne Worte funktioniert“, wie es Künstlerin Carmen Dietrich ausdrückte.
„Es ist schon ein besonderes Gefühl, den Stein durch die Straßen zu rollen“, beschreibt Pfarrer Dieter Stößlein seine Gefühlslage während der Mittagspause in der Moschee. Zuvor hatte die evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner beim Auftakt an der Morizkirche angesichts des kulturellen Miteinanders der Religionen drei Sorgen geäußert: den Hass gegen fremde Religionen, die Vermischung von Religionen und die atheistische Religionsverdrängung.
Mit Blick auf den „Engel der Kulturen“ sagte sie: „Er kann ein Zeichen dafür sein, dass sich ein Christ, ein Jude und ein Muslim die Händen reichen, so dass sich ein Kreis
bildet, der nicht mehr ausschließt, sondern zu dem alle Menschen gehören.“
Für Dorothea Greiner ist die Kunstaktion ein Zeichen dafür, in der Unterschiedenheit das Gemeinsame zu sagen und zu zeigen. Dies solle und müsse auch im Religionsunterricht geschehen. So könne verhindert werden, dass Religion durch Despoten und Fundamentalisten missbraucht wird, sondern es zu einem rechten Gebrauch von Religion kommt.
Dass Kinder schon von klein an mit Religion in Berührung kommen, dazu will das Projekt „Engel der Kulturen“ der beiden Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten beitragen, die ganz bewusst die Kooperation mit Kindergärten und Schulen suchen. Und so waren auch in Coburg rund 320 Schülerinnen und Schüler mit dabei, als
an drei Stationen der „Engel“ temporär und schließlich am Albertsplatz dauerhaft ausgelegt wurde. Die Kinder und Jugendlichen hatten sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und brachten mit ihren Beiträgen die Erwachsenen zum Nachdenken.
Auch die Vertreter der Kirchen trugen ihre Gedanken zu den Themen Religion, interreligiöser Dialog und Frieden und Eintracht an den einzelnen Stationen vor. Es waren dies Regionaldekan Thomas Teuchgräber und Dekan Roland Huth für die katholische Kirche, die Pfarrer Markus Merz, Dieter Stößlein und Dr. Thomas Amberg für die evangelische Kirche, Pfarrer Ulrich Piesche für die Altkatholiken, Chasan Arieh Rudolph als Vertreter der jüdischen Gemeinde sowie Imam Ebubekir Elbir und Ilhan Birinci für die türkisch-islamische Gemeinde. Sie nahmen sich am Anfang und Ende an den Händen und zeigten so ihre Eintracht, die für alle gelten soll.
Die Skulptur vereint die Symbole der drei abrahamischen Religionen – das Kreuz, den Halbmond und den Stern – und setzt sie in Beziehungen zueinander. „In dieser kreisförmigen Anordnung wird deutlich: keine Gruppe kann herausgelöst werden, ohne dass erkennbar alle anderen mit beschädigt werden“, erläutert Carmen Dietrich das Konzept, währenddessen Gregor Merten zusammen mit den Kindern das Verlegen der Bodenintarsie vorbereitet und schließlich dauerhaft im Boden verlegt.

Autor: Andreas Kuschbert


Bilder zum Artikel

An verschiedenen Stellen, so wie hier vor der Moschee, wurde ein temporärer Engel verlegt. · Foto: Andreas Kuschbert Mit ihrem Liedbeitrag am Ende der Zugs durch Coburg begeisterten die Mädchen und Jungen des Kindergartens St. Augustin. · Foto: Andreas Kuschbert Der Bevor der „Engel“ als Bodenintarsie von Künstler Gregor Merten (im Vordergrund) verlegt wurde, berührten einige der über 300 teilnehmenden Kinder sowie Chasan Arieh Rudolph, Coburgs 2. Bürgermeister Norbert Tessmer, Regionaldekan Thomas Teuchgräber,  · Foto: Andreas Kuschbert

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