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Theologe Remenyi: Rückzug ins Private ist für Christen keine Option

Münster (KNA) – Wer auf Dauer österreichische oder US-amerikanische Verhältnisse vermeiden will, muss nach Auffassung von Matthias Remenyi an der Sprechfähigkeit aller demokratisch Gesinnten arbeiten. Auch Christinnen und Christen könnten viel dafür tun, schreibt der Würzburger Theologieprofessor am Montag im katholischen Internetportal "kirche-und-leben.de".

 

Gerade weil die Demokratie durch Autoritarismus immer stärker unter Druck gerate, sei eine Koalitionsfähigkeit unter demokratischen Parteien essenziell, so Remenyi. Deshalb seien die "unversöhnlichen Schuldzuweisungen im Anschluss an den Merz-Eklat so besorgniserregend wie dieser selbst". Der Theologe ermutigt, nach vorne zu schauen: "Es gibt ein Leben nach dem 23. Februar."

 

Politisch aber nicht parteipolitisch?

 

Den Vorwurf, die Kirchen mischten sich zu viel in die öffentliche Debatte ein, weist Remenyi zurück. Wer das Evangelium ernst nehme, könne nicht unpolitisch sein, denn von Anfang an sei das Christentum eine öffentliche und insofern auch eine politische Religion gewesen. "News-Fatigue und der Rückzug in die private Innerlichkeit sind keine Option", so Remenyi.

 

Weiter führt er aus, es sei naiv, angesichts der Ereignisse im Bundestag Ende Januar zu fordern, die Kirchen müssten zwar politisch, dürften aber nicht parteipolitisch sein. So sei die klare Positionierung von Karl Jüsten und Anne Gidion im Namen der Kirchen richtig gewesen. Auch hält Remenyi eine "klare Kante zur AfD", die die liberale Demokratie gefährde, für nötig.