Köln (KNA) – Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat in der Debatte über die Migrationspolitik zur Einhaltung christlicher Werte aufgerufen. Europa müsse zu seinen Werten der Toleranz und Menschenwürde stehen, sagte er am Montag im Deutschlandfunk. Dann könne man über konkrete politische Probleme wie Sicherheit, Integration und Versorgung von Flüchtlingen reden, ohne sich gegenseitig zu verdammen und ohne eine Polarisierung zu betreiben.
Der evangelische Theologe warnte vor einer verzerrten Wahrnehmung. Jeden zweiten Tag werde in Deutschland eine Frau von ihrem Partner getötet; das werde weithin nicht wahrgenommen. Wenn aber ein Flüchtling zwei Menschen umbringe, werde das tagelang ins Zentrum der Debatte gerückt. Viele Migranten, die das Leben in Deutschland mit aufrecht erhielten, fühlten sich deshalb gebranntmarkt und in Deutschland nicht mehr willkommen.
Zur Rolle der Kirchen sagte Bedford-Strohm, sie dürften sich bei diesem Thema nicht aus der politischen Debatte heraushalten und mundtot machen lassen. Sonst würden sie das Liebesgebot Jesu und sich selbst verraten. Wichtig sei, dass sie sich dabei nicht parteipolitisch äußerten, sondern eine Grundorientierung einforderten, betonte der ehemalige bayerische Landesbischof.