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"Grüner Patriarch" Bartholomaios I. wird 85

Istanbul (KNA) – Bartholomaios I., seit 1991 griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel, wird am Samstag (bzw. 29. Februar) 85 Jahre alt. Als Nachfolger des Apostels Andreas trägt er den Titel "Ökumenischer Patriarch", der ihn zum Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie geschätzt 220 bis 300 Millionen Mitgliedern macht. Allerdings verfügt er mit diesem Ehrenamt über keine Rechtsbefugnisse über die nationalen Kirchen.

 

Bartholomaios I. ist ein weltweit anerkannter Theologe und Ökumeniker. Sein Bemühen gilt der Einheit der Weltorthodoxie und dem Dialog mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Mehrmals besuchte der Patriarch den Vatikan und pflegt freundschaftliche Beziehungen zu den Päpsten, besonders mit Benedikt XVI. (2005-2013) und dem seither amtierenden Franziskus.

 

Der promovierte Kirchenrechtler, der sieben Sprachen spricht, gilt als vertrauenswürdiger Gesprächspartner für Islam und Judentum. Weltweite Anerkennung findet Bartholomaios I. für sein ökologisches Engagement, das ihm den Ehrennamen "Grüner Patriarch" einbrachte.

 

Probleme in der Türkei

 

Die türkischen Behörden erkennen die gesamtorthodoxen Aufgaben des Patriarchates nicht an. Sie sehen in Bartholomaios I. lediglich den obersten Seelsorger der wenigen tausend in der Türkei verbliebenen griechisch-orthodoxen Christen. Während deren Zahl stetig sinkt, sind dem Patriarchat direkt rund 3,5 Millionen Kirchenmitglieder in Teilen von Griechenland sowie in der Diaspora in Nord- und Südamerika, Mittel- und Westeuropa und in Australien unterstellt.

 

Bartholomaios I. wurde am 29. Februar 1940 als Dimitrios Archondonis auf der türkischen Insel Imbros geboren. Er studierte an der Hochschule von Chalki und erhielt bei der Diakonenweihe den Namen des Apostels Bartholomäus. Zur weiteren Ausbildung ging er nach Rom, ins französische Bossey und nach München. Als Metropolit von Chalcedon wurde Bartholomaios I. 1990 ranghöchster Metropolit der Heiligen Synode und hatte den Vorsitz mehrerer Kommissionen, darunter für Kirchenrecht und Ökumene. 1991 wurde er zum Patriarchen gewählt.

 

Eiszeit mit Moskau

 

Im russisch-ukrainischen Krieg ist der Patriarch unmittelbar involviert. Das Oberhaupt der bei weitem mitgliederstärksten orthodoxen Teilkirchen, der Moskauer Patriarch Kyrill I., ist ein Verfechter des Krieges von Wladimir Putin, während Bartholomaios I. die rechtliche Ablösung der ukrainisch-orthodoxen Kirche von Moskau unterstützte. Zwischen Moskau und Istanbul herrscht kirchenrechtlich seither Eiszeit.