Leer (KNA) – Wegen des Vorwurfs sexualisierter Gewalt will die Evangelisch-reformierte Kirche einen pensionierten Pfarrer aus dem Amt entfernen. Einen entsprechenden Schritt hat die Kirche beim Disziplinargericht der Evangelische Kirche in Deutschland beantragt, wie sie am Mittwoch in Leer mitteilte. Sollte das Gericht diesem Antrag zustimmen, verliere der Pfarrer seine Pensionsansprüche.
Eine Frau hatte sich im Sommer 2023 bei der Kirche gemeldet und angegeben, bei kirchlichen Freizeiten in den 1980er Jahren sexualisierte Gewalt durch den Pfarrer erfahren zu haben. Die zuständige Staatsanwaltschaft erklärte den Fall für verjährt. Daraufhin leitete die reformierte Kirche ein internes Disziplinarverfahren ein. Nach eigenen Angaben beauftragte sie einen Fachanwalt mit den Ermittlungen, um Unabhängigkeit sicherzustellen.
Pfarrer räumt Fehlverhalten ein
Dieses Disziplinarverfahren sei nun abgeschlossen, so die Kirche. Der Anwalt habe weiteres Fehlverhalten des Pfarrers festgestellt. Der Pfarrer habe Fehlverhalten eingeräumt.
Die Kirche rief weitere Betroffene auf, sich zu melden. Zuständig sei die Fachstelle zur Prävention von sexualisierter Gewalt, an die sich auch die Betroffene im aktuellen Fall gewandt habe. Daneben gebe es die zentrale Anlaufstelle "help" von Kirche und Diakonie.
Zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer gehören knapp 160.000 Mitglieder. Ihre 143 Gemeinden sind über das ganze Bundesgebiet verteilt. Die meisten liegen im westlichen Niedersachsen und in Bayern. Sie ist eine der kleinsten Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland.