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Nicht nur ein System, sondern eine Haltung

Bamberg (kem) – Wahlwerbung mitten im Gottesdienst? Auch, wenn sich einige Politikerinnen und Politiker in St. Martin in Bamberg eingefunden hatten, war es doch keine politische Veranstaltung. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) lud zum ersten Demokratie-Gottesdienst der Erzdiözese Bamberg unter dem Motto „Glauben. Handeln. Mitbestimmen!“ ein. Und passend zum Thema mussten die Besucherinnen und Besucher erst einmal abstimmen, welche Lesung sie in der Messe hören wollten. Alina Utzmann und Alexander Dittrich machten für ihre Lesung im Vorfeld auch kräftig Wahlwerbung. 

 

Das Rennen machte – mit knapp zwei Dritteln der Stimmen – eine moderne Lesung von Albert Schweitzer, der darin schrieb, dass Jugend kein Lebensabschnitt sonder ein Geisteszustand sei. „Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt. Mit den Jahren runzelt die Haut, mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele.

 

Zu oft selbstverständlich 

 

In der Dialogpredigt zwischen Alina Utzmann und Ingo Borschert vom Sachausschuss „Politische Bildung“ des BDKJ ging es dann um den Begriff der Demokratie. Ein großes Wort, dass im Alltag oft als selbstverständlich gilt,aber in der Praxis viel Mut, Engagement und Verantwortung verlange. Beide griffen dabei noch einmal Schweitzers Lesung auf, in der es hieß „Du bist so jung wie Deine Zuversicht, so alt wie Deine Zweifel“. Sie stellten fest, dass Demokratie nicht nur ein System, sondern auch eine Haltung sei, für die es Zuversicht brauche. „Denn wenn wir anfangen zu glauben, dass wir nichts ändern können, dann geben wir Verantwortung ab, dann verzagt unsere Gesellschaft. Aber wenn wir die Hoffnung bewahren, dass jede Entscheidung, jede Wahl und jedes Wort einen Unterschied macht, bleibt unsere Demokratie lebendig. 

 

Gerade Christen seien dabei nicht allein. Sie könnten darauf vertrauen, dass Gott sie begleite. „Unser Glaube ist eine Einladung zum Handeln, nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere.“ Dies sei auch der Geist, mit dem der BDKJ handle: Nicht nur an Demokratie glauben, sondern sie leben. 

 

Zum Vater unser griff Pfarrer Helmut Hetzel, der früher auch Diözesanjugendseelsorger war und nun Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Bamberger Westen ist, das Thema Demokratie praktisch erneut auf, denn Demokratie erfordert auch aktive Beteiligung. Und so bat er alle Gläubigen, sich um den Altar zu versammeln, wo sie dann auch die Kommunion empfangen durften.

 

Am Ende des Gottesdienstes bedankte sich BDKJ-Diözesanvorsitzender Andreas Weick bei allen, die zum Gelingen beigetragen hatten. Er wünschte allen, dass sie gestärkt in die neue Woche gehen würden , an deren Ende mit der Bundestagswahl ein wichtiger Termin warten würde. Weick appellierte noch einmal an alle, wählen – und vor allem demokratisch wählen zu gehen. Auch Hetzel schloss sich diesem Wunsch an. „Wir Christen dürfen uns nicht im Privaten und hinter Kirchenmauern verstecken. Wir sind dazu da, die Welt mitzugestalten. 

 

Musikalisch umrahmt wurde der Demokratie-Gottesdienst von der Band „Septimus Prime“ aus Erlangen, die mit ihren teils ganz eigenen Versionen des Neuen Geistlichen Liedes ihren Beitrag zu einer erfolgreichen Veranstaltung leisteten.

 

Demo und „PoliVoice“

 

Am Freitag beteiligte sich der BDKJ im Bündnis mit vielen verschiedenen Bamberger Gruppen, darunter Gewerkschaften und auch Omas gegen Rechts, an einer Demonstration unter dem Motto „Bamberg steht auf – gegen den Rechtsruck und für Klimagerechtigkeit“. Die Demo startete am Bahnhofsvorplatz und zog über Schönleinsplatz und Gabelmann zur Kundgebung auf dem Maxplatz. Insgesamt nahmen gut 5000 Menschen an diesem friedlichen Protest teil. 

 

Darüber hinaus sammelten nach dem Gottesdienst und in der Woche vor der Wahl der Stadtjugendring Bamberg, die CAJ, die Kolpingjugend, die Pfadfinder und die DGB-Jugend Forderungen, Gedanken und Wünsche zu verschiedenen Themenbereichen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Plakatwänden. Diese wurden am Donnerstag Bundestagskandidaten vorgestellt und mit ihnen über die Belange junger Wähler diskutiert.