Berlin (KNA) – Der Ausgang der Bundestagswahl muss aus Sicht von Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa Startschuss für eine neue verantwortungsvolle Politik sein. "Die drei großen Aufgaben, die die nächste Bundesregierung anpacken muss, lauten innere, äußere und soziale Sicherheit", sagte sie am Sonntagabend der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. "Das Wahlergebnis - erkennbar von Unsicherheiten und Verunsicherungen geprägt - zeigt, wie wichtig es ist, dass eine neue Regierungskoalition so schnell wie möglich verlässliche Antworten in diesen drei Bereichen gibt."
Der Sozialstaat müsse mutig weiterentwickelt werden - "bürokratiearm und verlässlich", sagte Welskop-Deffaa. "Oberste Priorität hat dabei die Pflege. Es geht um unsere sozialen Sicherungssysteme und um die soziale Infrastruktur in tragfähiger Zusammenarbeit von Freier Wohlfahrtspflege und öffentlicher Hand." Das gehöre ins Zentrum eines Koalitionsvertrages, der so rasch wie möglich ausgehandelt werden müsse.
Caritas bietet Unterstützung an
"Wir stehen als Caritas bereit, die Regierungsbildung und die Erfüllung der skizzierten Aufgaben konkret und konzeptionell zu unterstützen", bot die Chefin des katholischen Wohlfahrtsverbands an. Zeitverzug und Verzögerungen bei der Aufstellung des Bundeshaushalts gefährden bereits jetzt unverzichtbare Leistungen und Einrichtungen.
Dem am Montagmorgen von der Bundeswahlleiterin veröffentlichten vorläufigen Ergebnis zufolge kommt die Union auf 28,6 Prozent der Stimmen, gefolgt von der AfD mit 20,8 Prozent, dahinter die SPD (16,4 Prozent), Grüne (11,6 Prozent) und Linke (8,8 Prozent). Ob das BSW es knapp ins künftige Parlament schafft, ist offen (derzeit 4,97 Prozent). Die FDP scheitert mit 4,3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung stieg im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 um gut sechs Prozentpunkte auf 82,5 Prozent.
Welskop-Deffaa wertet gerade die gestiegene Wahlbeteiligung als gutes Zeichen. Den Menschen sei klar geworden, "dass es diesmal um etwas geht", sagte sie im Interview dem Portal katholisch.de. Gleichzeitig kritisierte sie die Art und Weise, in der der Wahlkampf geführt wurde. "Verunglimpfungen von Wählern und Kandidaten möglicher Koalitionspartner waren den anstehenden Sondierungs- und Koalitionsgesprächen sicherlich nicht zuträglich." Sie wünsche sich einen menschenfreundlicheren Umgang der Politiker miteinander.