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Theologe Hünermann wünscht sich geweihte Diakoninnen

Bonn (KNA) – Der frühere Tübinger Dogmatikprofessor Peter Hünermann hat kritisiert, dass Frauen in der katholischen Kirche noch immer nicht zu Diakoninnen geweiht werden dürfen. "Ich glaube nicht, dass das Gottes Wille ist", sagte er dem kirchlichen Portal katholisch.de (Dienstag).

 

Der 95-Jährige führte aus, Frauen sollten zu Diakoninnen geweiht werden: "Dieses sakramentale Amt sollte endlich für Frauen geöffnet werden. Wir warten schon zu lange darauf." Der Theologe betonte, es gebe kein theologisches oder biblisches Fundament gegen die Aufnahme von Frauen in den Klerus. "Frauen heute noch immer von diesem kirchlichen Amt auszuschließen ist eine Dummheit", sagte er.

 

Hünermann erklärte, er wisse darum, dass es Frauen zermürbe, immer wieder Argumente gegen die Frauenweihe zu hören. Doch die bestehenden Machtverhältnisse seien in rund zweitausend Jahren eingeschliffen worden und könnten daher nur Schritt für Schritt geändert werden.

 

Diakonat für Männer nicht einheitlich umgesetzt

 

Das Argument, die Weltkirche müsse insgesamt erst reif für die Weihe von Frauen zu Diakoninnen sein, überzeugt Hünermann nicht. Denn auch das Diakonat für Männer sei nicht einheitlich in der Weltkirche umgesetzt, sagte er. Da gebe es Unterschiede zwischen einzelnen Ortskirchen.

 

Nach Rücksprache mit Kardinal Karl Lehmann hatte Hünermann in den 1980er Jahren Frauen dazu eingeladen, sich zu einem diakonischen Ausbildungskurs anzumelden. Ziel des Kurses war es, Erfahrungen zu sammeln und Konzepte für eine Ausbildung zu entwerfen. Man habe Frauen gesucht, die Pionierarbeit leisten, erklärte der Theologe. Inzwischen haben drei Ausbildungskurse ihr diakonisches Zertifikat erhalten.

 

Seit dem Abschluss ihrer Ausbildung sind die Absolventinnen sozusagen in der Warteschleife. Hünermann forderte sie auf: "Dranbleiben und weitermachen!" Bei der Weltsynode in Rom arbeite die jetzige Leiterin des Netzwerkes Diakonat der Frau mit anderen Teilnehmerinnen an dem Thema weiter. Auch in Äußerungen des Papstes sieht der Theologe ermutigende Aufbrüche. "Ich werde es weiterhin unterstützen, dass es eines Tages in der Kirche Diakoninnen gibt: Es braucht Frauen, die zum Klerus gehören. Es braucht die Weihe von Frauen", so Hünermann.