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Die Würde ist für jeden Menschen unverzichtbar

Auch die Kinder und Erzieherinnen der katholischen Kindertagesstätten haben sich ihre Gedanken zum Motto „Auf die Würde. Fertig. Los!“ gemacht und ihre Bilder bei der Gabenprozession zum Altar gebracht. Foto: Christoph Gahlau
Auch die Kinder und Erzieherinnen der katholischen Kindertagesstätten haben sich ihre Gedanken zum Motto „Auf die Würde. Fertig. Los!“ gemacht und ihre Bilder bei der Gabenprozession zum Altar gebracht. Foto: Christoph Gahlau

Hof (cga) – Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang pflücken die Arbeiter in Sri Lanka auf den Plantagen den Tee“, erzählt Evanjalina Sampathawaduge. Was idyllisch und romantisch klingt, ist aber genau das Gegenteil. „Das Leben ist hart und schwer“, berichtet der Misereor-Gast anlässlich der diözesanen Misereor-Eröffnung am zweiten Fastensonntag in Hof St. Konrad im Rahmen eines Gottesdienstes mit Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick.

 

Sampathawaduge beklagt das Unrecht, das diesen Menschen geschieht. „Sie bekommen nur sehr geringe Löhne“ und seien so in einem Kreislauf der Armut und Angst gefangen. Sampathawaduge arbeitet für die Caritas in ihrem Heimatland und will den Teepflückern eine Stimme geben im Kampf gegen die mächtige Teeindustrie. „Wir wollen, dass es den Arbeitern besser geht und stehen an ihrer Seite mit Bildung und Gesundheitsvorsorge. Wir geben ihnen neues Selbstbewusstsein“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin aus Sri Lanka in der voll besetzten Hofer Kirche. Es sei das Ziel, dass es diesen Menschen und ihren Kindern besser gehen möge und sie ein „Leben in Würde führen können.“ Damit greift der Misereor-Gast das Motto der diesjährigen Fastenaktion auf. „Auf die Würde. Fertig. Los!“ 

 

Die Insel Sri Lanka und vor allem der Tee sei aber eher unter dem alten Namen Ceylon bekannt, erläuterte Anne Gehrling vom Arbeitskreis Eine Welt zum Beginn des Gottesdienstes. Die Teepflücker seien oft tamilischer Herkunft, deren Vorfahren von den Kolonialmächten auf die Insel gebracht worden seien. Bis heute bestehe für die Teepflückerinnen und Teepflücker eine andauernde Abhängigkeit, stellte Gehrling fest. 

 

Der ehemalige Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick erinnerte sich in seiner Predigt an seinen letzten Besuch in Sri Lanka 2019. „Das Land verdient unsere Aufmerksamkeit“ sagte er und wies zugleich auf die schwierige ethnische Situation in diesem Land hin mit vielen unterschiedlichen Volksgruppen. Am Ostersonntag 2019 hätten radikale Muslime gezielte Anschläge auf christliche Kirchen verübt. 

 

Schwierige Lage

 

Die sozialen Bedingungen seien für etliche Volksgruppen „sehr, sehr schlecht“, erinnert sich der ehemalige Bamberger Erzbischof. Gerade die Menschen, die in den Teeplantagen arbeiten müssten, hätten „erbärmliche, inakzeptable Lebensbedingungen“. Die Christen würden sich gegen diese Ungerechtigkeit und Ausbeutung und für ein gerechtes Leben in Würde einsetzen. 

 

Damit es allen besser gehe, so Erzbischof em. Dr. Schick, gebe es die Fastenzeit. Fasten und Fastenzeit hätten inzwischen einen „negativen Touch“ in den christlichen Gemeinden bekommen, da sie viel mit Verzicht in Verbindung gebracht würde. 

 

Aufgewertet werde hingegen die Fastenzeit in der säkularen Welt sei sie fast modern, um abzunehmen und den Körper fit zu machen. Es gebe viele Formen des Fastens, wie beispielsweise der Verzicht auf Alkohol, das Autofasten oder der Verzicht auf Handy oder Internet. Gegen all das sei nichts einzuwenden, aber der Sinn des kirchlichen Fastens dürfe nicht verloren gehen. Gerade der heutige Sonntag mache deutlich, dass es um Jesus gehe und darum „neue Perspektiven zu eröffnen“. Dies sei die Botschaft des Evangeliums von der Verklärung und auch die Lesung aus dem Philipperbrief thematisiere dies. Es gehe darum, für das Allgemeinwohl auf bestimmte Dinge zu verzichten, was wir nicht brauchen und das „was wir haben teilen“. Dass es allen besser gehe, sei das Ziel, predigte Erzbischof em. Dr. Schick. 

 

Denn die Fastenaktion beinhalte immer einen dreifachen Sinn: Sich zu informieren, zu beten und solidarisch zu sein

Erzbischof em. Dr. Schick zitierte in seiner Predigt den österreichischen Psychiater Viktor Frankl, der einmal sagte: „Wer ein ansprechendes Ziel vor Augen hat, der findet auch den Weg dafür.“ Die Christen hätten dieses ansprechende Ziel eine bessere, eine gerechtere und friedliche Welt zu schaffen, in der alle Menschen die Würde haben. 

 

Christus habe uns als Ziel ausgegeben, das Reich Gottes zu erreichen. „Das Recht auf das Reich Gottes hat jeder Mensch, da jeder Mensch die gleiche Würde hat, vom Nordpol bis zum Südpol und um den ganzen Äquator.“ Das Motto der diesjährigen Misereor-Fastenaktion „Auf die Würde. Fertig. Los!“ mache dies deutlich, „weil wir uns für die Würde eines jeden Menschen anerkennen“. Deshalb der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden, Solidarität und dem Gemeinwohl für alle.