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"Glasarche 3" setzt Anker in Vierzehnheiligen

Die Initiatoren der „Glasarche 3“ an der Installation: Umweltreferent Sebastian Zink (von links), Auftraggeber Rainer Helms und Holzkünstler Christian Schmidt. Foto: Benjamin Kemmer
Die Initiatoren der „Glasarche 3“ an der Installation: Umweltreferent Sebastian Zink (von links), Auftraggeber Rainer Helms und Holzkünstler Christian Schmidt. Foto: Benjamin Kemmer

Vierzehnheiligen (kem) – Majestätisch liegt sie in der Nachmittagssonne, die Basilika in Vierzehnheiligen. Und bis zum 10. Juni steht in ihrem Schatten auch ein durchaus symbolträchtiges Kunstwerk. An der Westseite des Gotteshauses wurde die Holz- und Glasinstallation „Glasarche 3“ aufgestellt. Diese tourt seit inzwischen neun Jahren durch ganz Deutschland und symbolisiert mit ihrer Hand aus Holz und dem stilisiertes Schiffsrumpf aus Glas die Zerbrechlichkeit der Natur.

 

82 massive Eichenstämme und 120 Liter Leim waren alleine für die Holzhand notwendig, wie Holzkünstler Christian Schmidt bei der Vernissage in den Bildungs- und Tagungshäusern Vierzehnheiligen erklärte. Schmidt war es, der innerhalb von 14 Tagen aus den Stämmen mit einer Kettensäge die detailgetreue Handfläche und die Finger modellierte. Ein außergewöhnliches Projekt auch für ihn: „Es kommt nicht alle Tage vor, dass man ein solch großes Werk, an dem dann auch noch andere Künstler arbeiten, erstellen darf.“ 

 

Mit den anderen Künstlern ist das Kollektiv „Männerhaut“ aus Zwiesel gemeint. Die vier Glaskünstler zeichneten sich verantwortlich für den Schiffsrumpf, der in der Holzhand liegt. „Die ,Hochzeit‘ zwischen Hand und Schiff war schon sehr spannend. Aber zum Glück hat alles gepasst“, erklärt Schmidt für den die Installation vor allem eines bedeutet – die Zerbrechlichkeit unserer Natur. „Das Schiff gleitet aus der Menschenhand. Es soll zeigen, dass die Natur uns nicht braucht, aber wir brauchen die Natur“, so der Holzkünstler. „Wir müssen die Natur mit Fingerspitzen anfassen.“

 

Wie unterschiedlich man dieses Kunstwerk interpretieren kann, wurde schon bei der Vernissage deutlich. Der Tübinger Theologieprofessor Ottmar Fuchs setzte seinen Deutungsschwerpunkt ganz auf das Material Glas. Die Arche sei für ihn zwar schon immer ein Symbol der Rettung gewesen, doch zeige sie auch zwei Seiten eines Gottes, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Da wäre auf der einen Seite der bestrafende Gott, der außer einer Mini-Welt in der Arche, alles um sie herum zerstört. „Gott hat genug von der Menschheit – bis auf die Ausnahme Noah – und bestraft diese mit Vernichtung“, so Fuchs. Doch kurz darauf nimmt Gott in der Bibel diesen Vernichtungsbeschluss wieder zurück, will nie wieder mit Bestrafung handeln, sondern alle Menschen lieben – auch die sündigen und ungläubigen. 

 

Durch das Glas der Arche werde nun laut Fuchs die Verbindung zwischen drinnen und draußen hergestellt. „Beide gehören zusammen: die Auserwählten und die, die nicht als solche gelten“, so der Professor. „So ist diese Installation nicht nur ein Aufruf für unser Engagement für das Überleben der Arten, für die Rettung der Erde, für die Solidarität unter den Menschen, sondern auch ein fantastisches Symbol für die Durchsichtigkeit der verschiedenen Welten, für ihre Zusammengehörigkeit und dafür, dass Gott selbst diesen Durchblick der universellen, Liebe uns schenkt und selbst hat.“

 

Bezogen auf die Krisen in der heutigen Zeit schloss Braun mit den Worten: „Gott ist nicht nur auf der Seite Israels, sondern auch Palästinas.“

 

Der Umweltreferent des Erzbistums Bamberg, Sebastian Zink, hatte gemeinsam mit dem Initiator der „Glasarche 3“, Rainer Helms, die Installation nach Vierzehnheiligen geholt. „Das Kunstwerk stand schon vor der Thomaskirche in Leipzig, vor der Dresdner Frauenkirche und dem Augsburger Dom – da passt unsere Basilika doch gut hinein“, so Zink, der gemeinsam mit der Vierzehnheiligener Bildungsreferentin Nicole Garos auch ein Begleitprogramm auf die Beine gestellt hat. So gibt es einen Kreativwettbewerb für Kinder und Jugendliche unter dem Motto „Gestalte Deine Rettungsarche“ oder eine Lesung am 15. Mai mit Tanja Kinkel, die aus ihrem neuen Buch „Wir alle sind Noah“ lesen wird. 

 

Zink selbst hofft, dass die Glasarche die Besucherinnen und Besucher auch zum Nachdenken anregt. „Vielleicht schafft es die Glasarche, dass wir sie nicht nur betrachten, sondern uns bewegen lassen zum eigenen Handeln.“